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Über

Hallo! Ich studiere Journalismus und habe diesen Blog als Praxisteil für meinen netten Software-Dozenten erstellt;-)

Alter: 31
 
Universität: FHM in Bielefeld

Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
war ich jung.

Wenn ich mal groß bin...:
bin ich groß.

Ich glaube...:
dass man der Freude folgen sollte. Die Freude ist der Kompass der Wahrnehmung, die den Weg kennt.



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Blog

Gen-iale Zukunft?


Vierzehn Jahre sind vergangen seit der Zulassung des ersten genmanipulierten Lebensmittels, der „Anti-Matschtomate“. Seither ist der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzensorten auf dem Vormarsch. Weltweit wachsen heute auf rund 90 Millionen Hektar Ackerland transgene Nutzpflanzen, davon sind mehrere tausend Hektar Anbaufläche in Deutschland. Grüne Gentechnik – ein Begriff, der immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät. Er bezeichnet Verfahren, bei denen Eingriffe in das Erbgut von Pflanzen vorgenommen werden mit dem Ziel, das Saatgut von Pflanzen zu verbessern und den Ertrag sowie die Resistenz gegen Schädlinge zu steigern.
Nutzen und Risiken, die der Anbau genmanipulierter Raps-, Mais-, Soja- und anderer Pflanzensorten birgt, werden von Kritikern und Befürwortern kontrovers diskutiert.
Die Skepsis der Verbraucherschützer rührt vor allem daher, dass es bislang keine Langzeitstudien über die Folgen des menschlichen Verzehrs von gentechnisch veränderten Lebensmitteln gegeben hat.
Tierversuche haben stattgefunden:
Bei Tests in Großbritannien stürzten die Blutwerte von Ratten nach kürzester Zeit ab, nachdem sie mit Genmais gefüttert wurden.
Russische Wissenschaftler führten einer Gruppe von Ratten Gensoja zu. Innerhalb von drei Wochen starben 55 Prozent der Tiere.
Obwohl es strenge Kennzeichnungs-Regelungen für Gen-Lebensmittel gibt, ist der Verbraucher nicht hundertprozentig davor geschützt. Fleisch, Milch, Wurst und Eier stammen häufig von Tieren, die mit gentechnisch manipuliertem Mais oder Soja gefüttert wurden. Eine Kennzeichnungspflicht betrifft hierbei lediglich die Futtermittel-Packung, nicht aber die Produkte selbst.
Da Grüne Gentechnik von Verbrauchern häufig als negativ gesehen wird, setzt die Gentechnik-Industrie vermehrt Marketingspezialisten wie beispielsweise die weltweit agierende, amerikanische PR-Agentur Burson-Marsteller ein. Das ist eine Firma, die unter anderem Strategien für das Pentagon zur psychologischen Kriegsführung entwickelt hat. Auch bei Umweltkatastrophen wie dem Giftgasunfall 1984 in Bhopal, Indien, oder dem Ölunfall der Exxon Valdez im Jahr 1989 unterstützte diese Agentur mehrere Konzerne.

15.7.08 15:19


Saat der Zukunft: Ein weites Feld

Seit Jahren ist die Anwendung der Grünen Gentechnologie gesellschaftlich umstritten. Risiken und Potenziale, die der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mit sich bringt, werden kontrovers diskutiert.

Gentech-Befürworter sehen vor allem einen Sinn: Die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Schädlinge, Krankheiten, Hitze, Trockenheit oder Kälte so zu verbessern, dass der Ertrag um ein Vielfaches gesteigert wird. So soll zur Bekämpfung des Welthungers beigetragen werden. Während die Bevölkerung von Tag zu Tag wächst, schrumpfen Anbauflächen aufgrund von Veränderungen oder Zerstörung der Umwelt. Außerdem werden viele Flächen nicht nur zur Nahrungsmittelproduktion, sondern auch zur Erzeugung von Bioenergie benötigt.
Dem kann entgegen gehalten werden, dass Gentechnik allein keine Probleme der Armut und des Hungers lösen kann. Die Frage der Verteilung bleibt nach wie vor offen. Außerdem können sich Gentechnik-Forschung nur große Konzerne leisten, die ihre Investitionen über Patente im Welthandel absichern. Das erhöht die Kosten für gentechnisch veränderte Pflanzen und Saatgut erheblich. Hunger und Mangelernährung sind jedoch hauptsächlich eine Folge von Armut. (Gen-Nahrung und Gen-Saat verstärken das Hunger-Problem deshalb eher noch, anstatt es zu bekämpfen.)
Grüne Gentechnik erlaubt eine Veränderung der Inhaltsstoffe in Nahrungspflanzen, wodurch beispielsweise mehr Vitamine oder gesündere Fettsäurezusammensetzungen „eingebaut“ werden und körperlichen Mangelerscheinungen entgegengewirkt werden können.
Kritiker befürchten aber vermehrt Unverträglichkeiten und allergische Reaktionen durch Gen-Lebensmittel. Bisher ist unklar, wie sich der Verzehr gentechnisch veränderter Organismen auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Es hat bisher keine Langzeit-Studien gegeben.
Für Landwirte, die keine Gentechnologie einsetzen bedeutet der Anbau von gentechnisch veränderten Organismen in der Nachbarschaft erhebliche Mehrkosten für Analytik und Qualitätssicherung. Zwar gelten Regeln für den Anbau auf Gentechnik-Feldern, wie zum Beispiel das Einhalten eines Mindestabstandes von 150 Metern zu konventionell bewirtschafteten Äckern, doch Pollenflug und Verunreinigungen im Saatgut gefährden einen gentechnikfreien Anbau.
Durch die künstlich in ihr Erbgut integrierte Bakteriengene produzieren manche Pflanzen Insektengift. Unklar ist, ob und wie schnell Schadinsekten dagegen resistent werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass nützliche Insekten unter den Giften leiden.
Umweltschützer befürchten zudem, dass durch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ältere, einheimische Pflanzenarten verdrängt werden und damit die genetische Vielfalt abnimmt. Da sich die Landwirte weltweit auch auf ihren wirtschaftlichen Erfolg konzentrieren, neigen sie grundsätzlich zum Anbau leistungsfähiger Pflanzensorten. Diese Tendenz könnte durch den vermehrten Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen noch verstärkt werden, wenn diese gegenüber anderen Sorten große Vorteile hätten.
Die ohnehin schon durch Klimawandel und Verschlechterung wichtiger Lebensräume gefährdete Biodiversität könnte dadurch noch mehr verringert werden.


14.7.08 19:14


Für Elise – für sein Leben!

Sein Akkordeon hat der obdachlose Zari immer bei sich: Damit, dadurch, davon lebt er

 

Manchmal gelingt ihm der hohe C-E-H-Akkord nicht. Dann spielt er anstelle eines H´s ein G. Und das, obwohl er Beethovens „Für Elise“ doch schon seit seiner Jugend aus dem FF beherrscht. Manchmal, wenn sein linker kleiner Finger ganz starr ist vor Kälte, dann kann so etwas passieren. Und Zaris Finger sind oft ganz starr.

„Vor allem in den Wintermonaten ist es echt hart, da denkst du schon mal dran, dass es bald vorbei sein kann“, beschreibt Zari sein Leben auf der Straße. Ein Leben ohne festen Wohnsitz, ein Leben mit Schlafsack, Mütze - und Akkordeon. Das hat er von seinem Vater geschenkt bekommen, kurz vor dessen Tod. Damals war Zari ein kleiner Junge. Mit einem großen Traum. „Ich wollte Musiker werden und einmal viel Geld verdienen“. Musiker ist er geworden, die Sache mit dem Geld hatte er sich aber anders vorgestellt. Wenn es ein guter Tag ist, liegen schon mal sechs bis sieben Euro in seiner Mütze, wenn es ein schlechter ist, vielleicht zwei.

Zaris dunkle, fast schwarze Augen beginnen zu strahlen, als er erzählt, dass er von seinem Verdienten am Liebsten Frikadellen-Brötchen mit Extra-Portion Senf kauft. Natürlich nicht jeden Tag, aber hin und wieder gönnt er sich diesen „Luxus“.

Wer Zari in seinem Schlafsack eingemullt sitzen sieht, der ursprünglich wohl grün gewesen sein muss, nun aber von braunen und uringelben Flecken gekennzeichnet ist, der wird ihn vielleicht auf 58 schätzen. Oder 60. Vielleicht auch 65. Er hat ein rundes Gesicht, das fast zur Hälfte von seinem kräftigen Bart bedeckt ist .Tiefe Falten ziehen sich, scheinbar in genau parallelen Zügen, über seine breite Stirn. Von seinen vergilbten Zähnen sind nur noch wenige übrig. Und die stehen so schief ineinander, als wollten sie sich gegenseitig verdrängen.

Zari ist nicht hässlich. Ungepflegt, aber nicht hässlich. Vermutlich ist es nicht sein Alter, das die Spuren in seinem Gesicht hinterlassen hat. Irgendwann, wann es war, das weiß er nicht mehr, hat er aufgehört Jahre zu zählen. „Was sind schon Jahre?“, fragt er und erwartet keine Antwort.

Mit 11 Jahren kam Zari ins Heim, daran erinnert er sich noch gut. Das war eine Zeit, in der ihm Jahre noch was bedeuteten. Da war noch alles offen, vieles möglich. Die anderen Heim-Kinder ärgerten ihn oft. Sie lachten über Zaris Traum von der großen Bühne. Jetzt lacht er. „Naja, dann ist es eben eine kleine Bühne“, schmunzelt er.

Manchmal gelingt ihm der hohe C-E-H-Akkord nicht.
Heute schon. Es wird ein guter Tag.

11.7.08 14:20


 

Von der Bullerbü-Atmosphäre bleibt wenig übrig, sobald sich schwedischer Essens-Geruch mit dem industriellen Flair einer Fabrikhalle vermengt. Zu Kötbullar und Kartoffeln wird im Ikea-Restaurant ein Akustik-Püree erster Klasse serviert:

Junge, alte, hohe, tiefe, schrille, laute, leise, zarte, grelle Stimmen schallen durch die gut besuchte Möbelhaus-Kantine. Aus der Küche rumort es. Teller werden zusammengestellt, Besteck wird sortiert. Eine dicke Küchenfrau in schwarzer Kleidung mit weisem Hütchen auf dem Kopf klappert mit ihrem Geschirrwagen durch den Raum. Von ihren kurzen, blond-gelb gefärbten Haaren perlen kleine Schweißtropfen in den Nacken. Sie hat Mühe durch die eng aneinander gereihten Tische hindurch zu kommen. Meist sind zwei oder drei der kleinen viereckigen Tafeln zusammengestellt. Die Stühle erinnern an eine Malecke im Wartezimmer – so klein sind sie. Mit roter Rückenlehne schmücken sie den tristen PVC-Boden, dessen Muster ein ebenso tristes ist. Hell- und dunkelgraue Quadrate. Die Armstützen der roten Stühle wirken fahl.

Ganz im Gegensatz zu den Menschen, die hier sitzen. Ein fideler, alter Mann trinkt gemütlich eine Apfelschorle und liest die Bildzeitung. Fünf Frauen Mitte vierzig sitzen eng aneinander gedrückt, trinken Kaffee und essen Kuchen. „Unser Angebot: Blaubeerkuchen und Vanillesoße, zusammen nur 3,50 Euro“ steht auf der gelben Tischinformation. Es scheint ihnen zu schmecken. Zwischen großen Bissen und kleinen Schlücken, erzählen sie sich flüsternd Geschichten und lachen lauthals.

In der Mitte des Raumes isst eine junge Familie an einem runden Tisch. Sie reden kaum. Ein kleines Mädchen mit geflochtenen braunen Zöpfen sitzt im Hochstuhl - Schnuller im Mund, Fläschchen in der Hand. Von der Decke baumeln weise, runde Stofflampen herunter. 16 Stück. Obwohl reichlich Tageslicht durch die große, breite Fensterfront hereindringt, sind sie angeschaltet. Vier Schmale, lange Rollos mit bunten Blumenmustern zieren die weite Glasfassade.

Über manchen Tischen, vor allem bei denen, die am Rand stehen, hängen lange, dünne, grüne Lampen von der Decke. Unter einer dieser Leuchten an einem dieser Maltische sitzen zwei Männer in Anzug. Der eine trägt einen schwarzen, der andere einen blauen mit lila Krawatte. Die Haare sind gestriegelt, die Schuhe poliert. Sie haben Unterlagen dabei, reden über die Personalabteilung und machen sich Notizen. Das Ungewöhnliche: Sie sitzen im Restaurant, haben aber weder Getränke noch Essen auf ihrem Tisch stehen.

Dezente Schilder beflaggen das Restaurant:
„Danke, dass du uns hilfst“ steht über dem Tablett-Wagen, „Danke, dass du hier nicht rauchst“ über den Tischen, „Danke für deinen Besuch“ am Ausgang.

Danke, Ikea, für dieses Erlebnis!

11.7.08 14:25


„Keinen Cent mehr für Altersteilzeit“

SPD-Konzept zur Verlängerung der Altersteilzeit entfacht Streit in der Koalition

Berlin. Die SPD will die staatlich geförderte Altersteilzeit bis 2015 verlängern. Die bisherige Regelung läuft Ende 2009 aus. Arbeitnehmer sollen zudem schon mit 60, und nicht wie bisher mit 63 Jahren, Teilrente beziehen können. Diese Pläne haben zu Streit in der Großen Koalition geführt.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat die Pläne für eine Ausweitung der staatlich geförderten Altersteilzeit verteidigt. „Damit soll verhindert werden, dass Personal auf Kosten der Sozialversicherung abgebaut wird“.

Auch die Gewerkschaften begrüßen das SPD-Konzept: „Wir brauchen weiterhin eine geförderte Altersteilzeit“, so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Viele Beschäftigte könnten nicht bis zur gesetzlichen Altersgrenze von künftig 67 Jahren arbeiten. Die Altersteilzeit sei aber keinesfalls ein Weg, um massenhaft Menschen in den frühen Ruhestand zu schicken. Deshalb müsse die Förderung „an strenge Bedingungen wie die Einstellung von Jugendlichen oder Arbeitslosen geknüpft werden“, so Buntenbach.

Die IG Metall fordert einen Altersteilzeit-Tarifvertrag und ruft zu bundesweiten Warnstreiks auf. Im Südwesten wird stellvertretend für alle Bundesländer verhandelt.

IG BCE und Arbeitgeber der chemischen Industrie hatten bereits im April einen Tarifvertrag zur flexiblen Gestaltung der Lebensarbeitszeit geschlossen, der ebenso betriebliche Altersteilzeitregelungen enthielt. „Damit haben wir beispielhaft gezeigt, wie die Tarifparteien den gesetzlichen Rahmen für differenzierte Lösungen im Interesse von Betrieben und Beschäftigten nutzen können“, sagte Chemie-Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt.

Der Arbeitnehmerflügel der CDU zeigte sich ebenfalls offen für den Renten-Vorstoß der SPD: „Das kann sinnvoll sein. Wir sollten über eine niedrigere Altersgrenze nachdenken“, so der stellvertretende Chef, Gerald Weiß. Nicht jeder Arbeitnehmer könne bis 65 oder 67 Jahre voll arbeiten. Da bräuchten wir mehr Flexibilität, findet Weiß.

Die von der SPD geforderte Verlängerung der Altersteilzeit lehnte er dagegen ab: „Aus dem Topf der Bundesanstalt für Arbeit darf es keinen Cent mehr für Altersteilzeit oder sonstige Vorruhestandsmodelle geben.“

Derzeit erhalten Beschäftigte in Altersteilzeit etwa 82 Prozent ihres Nettolohns. Dies wird durch Aufstockungen des Arbeitgebers finanziert, die die Bundesagentur für Arbeit dem Unternehmen erstattet, wenn für die freiwerdende Stelle ein Arbeitsloser eingestellt oder ein Auszubildender übernommen wird.

Diese Ansicht vertritt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Das wird es mit der Union nicht geben“. Merkel verwies auf den Koalitionsvertrag, in dem Union und SPD vereinbart hätten, Anreize zur Frühverrentung zu beseitigen.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, die Wirtschaft brauche ältere qualifizierte Mitarbeiter in den Unternehmen und nicht in der Frühpensionierung.

„Unverantwortlich“: So bezeichnet der rentenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Heinrich Kolb, eine Verlängerung der Altersteilzeit. „Sie bedeutet eine Fortführung der Frühverrentung zu Lasten der Beitragszahler in der Arbeitslosenversicherung.“ Die FDP schlage stattdessen einen flexiblen Renteneintritt ab 60 bei Wegfall der Zuverdienst-Grenzen vor.

Ebenso wie Kolb findet Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), es „unverantwortlich, qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter im besten Alter aus dem Job zu drängen, während sich der Fachkräftemangel verschärft.“

Auch Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hält nichts von dem SPD-Vorstoß: „Die SPD setzt ihren Weg in die Realitätsferne fort.“

10.7.08 20:32


Soziologe Dr. Jörg Hüttermann über Fußballfans, Zuwanderer und Gewalt

Bielefeld. Dr. Jörg Hüttermann vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld beschäftigt sich mit Spannungsfeldern zwischen Zuwanderern und Einheimischen in Stadtgesellschaften.

Nach dem EM-Spiel vergangenen Sonntag kam es zu Gewalt zwischen Polen und Deutschen. Überrascht Sie das?

Dr. Jörg Hüttermann: Nein. Ich denke, das war absehbar. Es gibt immer ein Spiel am Rande des Spiels. 99 Prozent der Fußballfans verhalten sich jedoch zivilisiert. Sie tauchen in eine rauschhafte Verschmelzung ein. Ungefähr ein Prozent schafft das Herauskommen aber nicht, bei manchen spielt zudem Alkohol eine Rolle oder allgemein Spaß an Gewalthandlungen.


Warum kommt es zu Konflikten, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen?

Dr. Jörg Hüttermann: Es gibt im Grunde zwei Arten von Konflikten: Ressourcenkonflikte und Rangordnungskonflikte. Kultur allein sorgt überhaupt nicht für Widerstreit. Dieser entsteht immer nur in Verbindung mit Hierarchie oder Ressourcen.


Blicken wir nach Deutschland. Wie hat sich hier das Bild des Zuwanderers geändert?

Dr. Jörg Hüttermann: In der ersten Phase, in den 50er Jahren, gab es den Typus des Gastes. Als Gastarbeiter fügte er sich in die normative Ordnung der Gesellschaft. Er stellte keine Ansprüche. In der nächsten Phase haben die Zuwanderer dann auch Familien gegründet oder nachkommen lassen, sahen sich nicht mehr nur als Gäste. Für die Alteingesessenen war das irritierend. Manche fühlten sich durch das Vorrücken der Einwanderer bedroht. Heute wollen gerade jüngere Zuwanderer den Alteingesessenen nicht mehr ausweichen, sondern sich sichtbar machen –anders als ihre Väter das taten.


Einwanderer leben häufig in bestimmten Vierteln zusammen. Es entstehen soziale Brennpunkte. Ist das die Integrationsstrategie der Stadt?

Dr. Jörg Hüttermann: Früher war das zum Teil die Strategie der Wohnungsbaugesellschaften und Städte. Heute ist das nicht geplant, sondern sozusagen die Logik des Marktes. Für kleine Portemonnaies bieten sich eben nur bestimmte Stadtteile an. Eine Rolle spielt auch der Grundsatz: Gleich zu gleich gesellt sich gern.


Wie sehen Sie die Zukunft in Bielefeld? Wird ein friedliches Zusammenleben möglich sein?

Dr. Jörg Hüttermann: Latente Konflikte wird es wohl immer geben. Das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält - sofern sie gewaltfrei sind. In Bielefeld haben wir eigentlich keine ernst zu nehmenden Gruppen. Meiner Ansicht nach ist das Gewaltniveau im Vergleich zu dem in den 50er und 60er Jahren stark gesunken.

9.7.08 13:02





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