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Für Elise – für sein Leben!

Sein Akkordeon hat der obdachlose Zari immer bei sich: Damit, dadurch, davon lebt er

 

Manchmal gelingt ihm der hohe C-E-H-Akkord nicht. Dann spielt er anstelle eines H´s ein G. Und das, obwohl er Beethovens „Für Elise“ doch schon seit seiner Jugend aus dem FF beherrscht. Manchmal, wenn sein linker kleiner Finger ganz starr ist vor Kälte, dann kann so etwas passieren. Und Zaris Finger sind oft ganz starr.

„Vor allem in den Wintermonaten ist es echt hart, da denkst du schon mal dran, dass es bald vorbei sein kann“, beschreibt Zari sein Leben auf der Straße. Ein Leben ohne festen Wohnsitz, ein Leben mit Schlafsack, Mütze - und Akkordeon. Das hat er von seinem Vater geschenkt bekommen, kurz vor dessen Tod. Damals war Zari ein kleiner Junge. Mit einem großen Traum. „Ich wollte Musiker werden und einmal viel Geld verdienen“. Musiker ist er geworden, die Sache mit dem Geld hatte er sich aber anders vorgestellt. Wenn es ein guter Tag ist, liegen schon mal sechs bis sieben Euro in seiner Mütze, wenn es ein schlechter ist, vielleicht zwei.

Zaris dunkle, fast schwarze Augen beginnen zu strahlen, als er erzählt, dass er von seinem Verdienten am Liebsten Frikadellen-Brötchen mit Extra-Portion Senf kauft. Natürlich nicht jeden Tag, aber hin und wieder gönnt er sich diesen „Luxus“.

Wer Zari in seinem Schlafsack eingemullt sitzen sieht, der ursprünglich wohl grün gewesen sein muss, nun aber von braunen und uringelben Flecken gekennzeichnet ist, der wird ihn vielleicht auf 58 schätzen. Oder 60. Vielleicht auch 65. Er hat ein rundes Gesicht, das fast zur Hälfte von seinem kräftigen Bart bedeckt ist .Tiefe Falten ziehen sich, scheinbar in genau parallelen Zügen, über seine breite Stirn. Von seinen vergilbten Zähnen sind nur noch wenige übrig. Und die stehen so schief ineinander, als wollten sie sich gegenseitig verdrängen.

Zari ist nicht hässlich. Ungepflegt, aber nicht hässlich. Vermutlich ist es nicht sein Alter, das die Spuren in seinem Gesicht hinterlassen hat. Irgendwann, wann es war, das weiß er nicht mehr, hat er aufgehört Jahre zu zählen. „Was sind schon Jahre?“, fragt er und erwartet keine Antwort.

Mit 11 Jahren kam Zari ins Heim, daran erinnert er sich noch gut. Das war eine Zeit, in der ihm Jahre noch was bedeuteten. Da war noch alles offen, vieles möglich. Die anderen Heim-Kinder ärgerten ihn oft. Sie lachten über Zaris Traum von der großen Bühne. Jetzt lacht er. „Naja, dann ist es eben eine kleine Bühne“, schmunzelt er.

Manchmal gelingt ihm der hohe C-E-H-Akkord nicht.
Heute schon. Es wird ein guter Tag.

11.7.08 14:20
 



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