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Von der Bullerbü-Atmosphäre bleibt wenig übrig, sobald sich schwedischer Essens-Geruch mit dem industriellen Flair einer Fabrikhalle vermengt. Zu Kötbullar und Kartoffeln wird im Ikea-Restaurant ein Akustik-Püree erster Klasse serviert:

Junge, alte, hohe, tiefe, schrille, laute, leise, zarte, grelle Stimmen schallen durch die gut besuchte Möbelhaus-Kantine. Aus der Küche rumort es. Teller werden zusammengestellt, Besteck wird sortiert. Eine dicke Küchenfrau in schwarzer Kleidung mit weisem Hütchen auf dem Kopf klappert mit ihrem Geschirrwagen durch den Raum. Von ihren kurzen, blond-gelb gefärbten Haaren perlen kleine Schweißtropfen in den Nacken. Sie hat Mühe durch die eng aneinander gereihten Tische hindurch zu kommen. Meist sind zwei oder drei der kleinen viereckigen Tafeln zusammengestellt. Die Stühle erinnern an eine Malecke im Wartezimmer – so klein sind sie. Mit roter Rückenlehne schmücken sie den tristen PVC-Boden, dessen Muster ein ebenso tristes ist. Hell- und dunkelgraue Quadrate. Die Armstützen der roten Stühle wirken fahl.

Ganz im Gegensatz zu den Menschen, die hier sitzen. Ein fideler, alter Mann trinkt gemütlich eine Apfelschorle und liest die Bildzeitung. Fünf Frauen Mitte vierzig sitzen eng aneinander gedrückt, trinken Kaffee und essen Kuchen. „Unser Angebot: Blaubeerkuchen und Vanillesoße, zusammen nur 3,50 Euro“ steht auf der gelben Tischinformation. Es scheint ihnen zu schmecken. Zwischen großen Bissen und kleinen Schlücken, erzählen sie sich flüsternd Geschichten und lachen lauthals.

In der Mitte des Raumes isst eine junge Familie an einem runden Tisch. Sie reden kaum. Ein kleines Mädchen mit geflochtenen braunen Zöpfen sitzt im Hochstuhl - Schnuller im Mund, Fläschchen in der Hand. Von der Decke baumeln weise, runde Stofflampen herunter. 16 Stück. Obwohl reichlich Tageslicht durch die große, breite Fensterfront hereindringt, sind sie angeschaltet. Vier Schmale, lange Rollos mit bunten Blumenmustern zieren die weite Glasfassade.

Über manchen Tischen, vor allem bei denen, die am Rand stehen, hängen lange, dünne, grüne Lampen von der Decke. Unter einer dieser Leuchten an einem dieser Maltische sitzen zwei Männer in Anzug. Der eine trägt einen schwarzen, der andere einen blauen mit lila Krawatte. Die Haare sind gestriegelt, die Schuhe poliert. Sie haben Unterlagen dabei, reden über die Personalabteilung und machen sich Notizen. Das Ungewöhnliche: Sie sitzen im Restaurant, haben aber weder Getränke noch Essen auf ihrem Tisch stehen.

Dezente Schilder beflaggen das Restaurant:
„Danke, dass du uns hilfst“ steht über dem Tablett-Wagen, „Danke, dass du hier nicht rauchst“ über den Tischen, „Danke für deinen Besuch“ am Ausgang.

Danke, Ikea, für dieses Erlebnis!

11.7.08 14:25
 



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