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Interviews

Soziologe Dr. Jörg Hüttermann über Fußballfans, Zuwanderer und Gewalt

Bielefeld. Dr. Jörg Hüttermann vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld beschäftigt sich mit Spannungsfeldern zwischen Zuwanderern und Einheimischen in Stadtgesellschaften.

Nach dem EM-Spiel vergangenen Sonntag kam es zu Gewalt zwischen Polen und Deutschen. Überrascht Sie das?

Dr. Jörg Hüttermann: Nein. Ich denke, das war absehbar. Es gibt immer ein Spiel am Rande des Spiels. 99 Prozent der Fußballfans verhalten sich jedoch zivilisiert. Sie tauchen in eine rauschhafte Verschmelzung ein. Ungefähr ein Prozent schafft das Herauskommen aber nicht, bei manchen spielt zudem Alkohol eine Rolle oder allgemein Spaß an Gewalthandlungen.


Warum kommt es zu Konflikten, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen?

Dr. Jörg Hüttermann: Es gibt im Grunde zwei Arten von Konflikten: Ressourcenkonflikte und Rangordnungskonflikte. Kultur allein sorgt überhaupt nicht für Widerstreit. Dieser entsteht immer nur in Verbindung mit Hierarchie oder Ressourcen.


Blicken wir nach Deutschland. Wie hat sich hier das Bild des Zuwanderers geändert?

Dr. Jörg Hüttermann: In der ersten Phase, in den 50er Jahren, gab es den Typus des Gastes. Als Gastarbeiter fügte er sich in die normative Ordnung der Gesellschaft. Er stellte keine Ansprüche. In der nächsten Phase haben die Zuwanderer dann auch Familien gegründet oder nachkommen lassen, sahen sich nicht mehr nur als Gäste. Für die Alteingesessenen war das irritierend. Manche fühlten sich durch das Vorrücken der Einwanderer bedroht. Heute wollen gerade jüngere Zuwanderer den Alteingesessenen nicht mehr ausweichen, sondern sich sichtbar machen –anders als ihre Väter das taten.


Einwanderer leben häufig in bestimmten Vierteln zusammen. Es entstehen soziale Brennpunkte. Ist das die Integrationsstrategie der Stadt?

Dr. Jörg Hüttermann: Früher war das zum Teil die Strategie der Wohnungsbaugesellschaften und Städte. Heute ist das nicht geplant, sondern sozusagen die Logik des Marktes. Für kleine Portemonnaies bieten sich eben nur bestimmte Stadtteile an. Eine Rolle spielt auch der Grundsatz: Gleich zu gleich gesellt sich gern.


Wie sehen Sie die Zukunft in Bielefeld? Wird ein friedliches Zusammenleben möglich sein?

Dr. Jörg Hüttermann: Latente Konflikte wird es wohl immer geben. Das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält - sofern sie gewaltfrei sind. In Bielefeld haben wir eigentlich keine ernst zu nehmenden Gruppen. Meiner Ansicht nach ist das Gewaltniveau im Vergleich zu dem in den 50er und 60er Jahren stark gesunken.

9.7.08 13:02





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