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Artikel

Gen-iale Zukunft?


Vierzehn Jahre sind vergangen seit der Zulassung des ersten genmanipulierten Lebensmittels, der „Anti-Matschtomate“. Seither ist der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzensorten auf dem Vormarsch. Weltweit wachsen heute auf rund 90 Millionen Hektar Ackerland transgene Nutzpflanzen, davon sind mehrere tausend Hektar Anbaufläche in Deutschland. Grüne Gentechnik – ein Begriff, der immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät. Er bezeichnet Verfahren, bei denen Eingriffe in das Erbgut von Pflanzen vorgenommen werden mit dem Ziel, das Saatgut von Pflanzen zu verbessern und den Ertrag sowie die Resistenz gegen Schädlinge zu steigern.
Nutzen und Risiken, die der Anbau genmanipulierter Raps-, Mais-, Soja- und anderer Pflanzensorten birgt, werden von Kritikern und Befürwortern kontrovers diskutiert.
Die Skepsis der Verbraucherschützer rührt vor allem daher, dass es bislang keine Langzeitstudien über die Folgen des menschlichen Verzehrs von gentechnisch veränderten Lebensmitteln gegeben hat.
Tierversuche haben stattgefunden:
Bei Tests in Großbritannien stürzten die Blutwerte von Ratten nach kürzester Zeit ab, nachdem sie mit Genmais gefüttert wurden.
Russische Wissenschaftler führten einer Gruppe von Ratten Gensoja zu. Innerhalb von drei Wochen starben 55 Prozent der Tiere.
Obwohl es strenge Kennzeichnungs-Regelungen für Gen-Lebensmittel gibt, ist der Verbraucher nicht hundertprozentig davor geschützt. Fleisch, Milch, Wurst und Eier stammen häufig von Tieren, die mit gentechnisch manipuliertem Mais oder Soja gefüttert wurden. Eine Kennzeichnungspflicht betrifft hierbei lediglich die Futtermittel-Packung, nicht aber die Produkte selbst.
Da Grüne Gentechnik von Verbrauchern häufig als negativ gesehen wird, setzt die Gentechnik-Industrie vermehrt Marketingspezialisten wie beispielsweise die weltweit agierende, amerikanische PR-Agentur Burson-Marsteller ein. Das ist eine Firma, die unter anderem Strategien für das Pentagon zur psychologischen Kriegsführung entwickelt hat. Auch bei Umweltkatastrophen wie dem Giftgasunfall 1984 in Bhopal, Indien, oder dem Ölunfall der Exxon Valdez im Jahr 1989 unterstützte diese Agentur mehrere Konzerne.

15.7.08 15:19


Saat der Zukunft: Ein weites Feld

Seit Jahren ist die Anwendung der Grünen Gentechnologie gesellschaftlich umstritten. Risiken und Potenziale, die der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mit sich bringt, werden kontrovers diskutiert.

Gentech-Befürworter sehen vor allem einen Sinn: Die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Schädlinge, Krankheiten, Hitze, Trockenheit oder Kälte so zu verbessern, dass der Ertrag um ein Vielfaches gesteigert wird. So soll zur Bekämpfung des Welthungers beigetragen werden. Während die Bevölkerung von Tag zu Tag wächst, schrumpfen Anbauflächen aufgrund von Veränderungen oder Zerstörung der Umwelt. Außerdem werden viele Flächen nicht nur zur Nahrungsmittelproduktion, sondern auch zur Erzeugung von Bioenergie benötigt.
Dem kann entgegen gehalten werden, dass Gentechnik allein keine Probleme der Armut und des Hungers lösen kann. Die Frage der Verteilung bleibt nach wie vor offen. Außerdem können sich Gentechnik-Forschung nur große Konzerne leisten, die ihre Investitionen über Patente im Welthandel absichern. Das erhöht die Kosten für gentechnisch veränderte Pflanzen und Saatgut erheblich. Hunger und Mangelernährung sind jedoch hauptsächlich eine Folge von Armut. (Gen-Nahrung und Gen-Saat verstärken das Hunger-Problem deshalb eher noch, anstatt es zu bekämpfen.)
Grüne Gentechnik erlaubt eine Veränderung der Inhaltsstoffe in Nahrungspflanzen, wodurch beispielsweise mehr Vitamine oder gesündere Fettsäurezusammensetzungen „eingebaut“ werden und körperlichen Mangelerscheinungen entgegengewirkt werden können.
Kritiker befürchten aber vermehrt Unverträglichkeiten und allergische Reaktionen durch Gen-Lebensmittel. Bisher ist unklar, wie sich der Verzehr gentechnisch veränderter Organismen auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Es hat bisher keine Langzeit-Studien gegeben.
Für Landwirte, die keine Gentechnologie einsetzen bedeutet der Anbau von gentechnisch veränderten Organismen in der Nachbarschaft erhebliche Mehrkosten für Analytik und Qualitätssicherung. Zwar gelten Regeln für den Anbau auf Gentechnik-Feldern, wie zum Beispiel das Einhalten eines Mindestabstandes von 150 Metern zu konventionell bewirtschafteten Äckern, doch Pollenflug und Verunreinigungen im Saatgut gefährden einen gentechnikfreien Anbau.
Durch die künstlich in ihr Erbgut integrierte Bakteriengene produzieren manche Pflanzen Insektengift. Unklar ist, ob und wie schnell Schadinsekten dagegen resistent werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass nützliche Insekten unter den Giften leiden.
Umweltschützer befürchten zudem, dass durch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ältere, einheimische Pflanzenarten verdrängt werden und damit die genetische Vielfalt abnimmt. Da sich die Landwirte weltweit auch auf ihren wirtschaftlichen Erfolg konzentrieren, neigen sie grundsätzlich zum Anbau leistungsfähiger Pflanzensorten. Diese Tendenz könnte durch den vermehrten Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen noch verstärkt werden, wenn diese gegenüber anderen Sorten große Vorteile hätten.
Die ohnehin schon durch Klimawandel und Verschlechterung wichtiger Lebensräume gefährdete Biodiversität könnte dadurch noch mehr verringert werden.


14.7.08 19:14


 

Von der Bullerbü-Atmosphäre bleibt wenig übrig, sobald sich schwedischer Essens-Geruch mit dem industriellen Flair einer Fabrikhalle vermengt. Zu Kötbullar und Kartoffeln wird im Ikea-Restaurant ein Akustik-Püree erster Klasse serviert:

Junge, alte, hohe, tiefe, schrille, laute, leise, zarte, grelle Stimmen schallen durch die gut besuchte Möbelhaus-Kantine. Aus der Küche rumort es. Teller werden zusammengestellt, Besteck wird sortiert. Eine dicke Küchenfrau in schwarzer Kleidung mit weisem Hütchen auf dem Kopf klappert mit ihrem Geschirrwagen durch den Raum. Von ihren kurzen, blond-gelb gefärbten Haaren perlen kleine Schweißtropfen in den Nacken. Sie hat Mühe durch die eng aneinander gereihten Tische hindurch zu kommen. Meist sind zwei oder drei der kleinen viereckigen Tafeln zusammengestellt. Die Stühle erinnern an eine Malecke im Wartezimmer – so klein sind sie. Mit roter Rückenlehne schmücken sie den tristen PVC-Boden, dessen Muster ein ebenso tristes ist. Hell- und dunkelgraue Quadrate. Die Armstützen der roten Stühle wirken fahl.

Ganz im Gegensatz zu den Menschen, die hier sitzen. Ein fideler, alter Mann trinkt gemütlich eine Apfelschorle und liest die Bildzeitung. Fünf Frauen Mitte vierzig sitzen eng aneinander gedrückt, trinken Kaffee und essen Kuchen. „Unser Angebot: Blaubeerkuchen und Vanillesoße, zusammen nur 3,50 Euro“ steht auf der gelben Tischinformation. Es scheint ihnen zu schmecken. Zwischen großen Bissen und kleinen Schlücken, erzählen sie sich flüsternd Geschichten und lachen lauthals.

In der Mitte des Raumes isst eine junge Familie an einem runden Tisch. Sie reden kaum. Ein kleines Mädchen mit geflochtenen braunen Zöpfen sitzt im Hochstuhl - Schnuller im Mund, Fläschchen in der Hand. Von der Decke baumeln weise, runde Stofflampen herunter. 16 Stück. Obwohl reichlich Tageslicht durch die große, breite Fensterfront hereindringt, sind sie angeschaltet. Vier Schmale, lange Rollos mit bunten Blumenmustern zieren die weite Glasfassade.

Über manchen Tischen, vor allem bei denen, die am Rand stehen, hängen lange, dünne, grüne Lampen von der Decke. Unter einer dieser Leuchten an einem dieser Maltische sitzen zwei Männer in Anzug. Der eine trägt einen schwarzen, der andere einen blauen mit lila Krawatte. Die Haare sind gestriegelt, die Schuhe poliert. Sie haben Unterlagen dabei, reden über die Personalabteilung und machen sich Notizen. Das Ungewöhnliche: Sie sitzen im Restaurant, haben aber weder Getränke noch Essen auf ihrem Tisch stehen.

Dezente Schilder beflaggen das Restaurant:
„Danke, dass du uns hilfst“ steht über dem Tablett-Wagen, „Danke, dass du hier nicht rauchst“ über den Tischen, „Danke für deinen Besuch“ am Ausgang.

Danke, Ikea, für dieses Erlebnis!

11.7.08 14:25





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